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Heimatgeschichte

Die Gemeinde Zeilarn entstand im Jahr 1971 im Zuge der Gebietsreform durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Gumpersdorf, Obertürken und Schildthurn. Bei dieser Vereinigung legte man fest, dass die neue Gemeinde den Namen ZEILARN erhält und der Sitz der Verwaltung in Gumpersdorf ist. Der wesentliche Teil der Gemeinde liegt nordöstlich des Türkenbachtales, das die Gemeinde von Obertürken bis Untertürken auf einer Länge von etwa acht Kilometern durchzieht. Bei Untertürken mündet das von Norden kommende Tal des Tanner Baches, in das Türkenbachtal. Hier befindet sich auch der tiefstgelegene Punkt der Gemeinde mit unter 400 Metern. Mit 506 Metern befindet sich der höchst gelegene Punkt auf einer Anhöhe zwischen Schildthurn und Wolfgrub. Die Gemeinde Zeilarn grenzt auf der gesamten südlichen Seite an den Bezirk Oberbayern an.

Besiedelung unserer Gegend

Es dürfte ziemlich sicher sein, dass das Gebiet zwischen Rott und Inn schon frühzeitlich besiedelt wurde. Zumindest weisen Werkzeugfunde auf die Jungsteinzeit, „der Bronzezeit vorrangehende Periode der menschlichen Vorgeschichte, letzter Abschnitt der Steinzeit, in Europa etwa von 5000 bis gegen 1800 vor Christus“1 hin. Die in unserer Gemeinde gefundenen Gegenstände stammen von Ausgrabungen aus Königsöd bei Schildthurn (oder ist Königsöd bei Walburgskirchen gemeint?). Es sind dies: „Durchlochter Schneidenhammer aus grün – gelb marmoriertem Gestein, glänzend poliert, vorzüglich erhaltenes Stück; 15,5 cm lang“, und ein „stark abgerundetes durchlochtes Kampfbeil aus schwarzem dichten Gestein; 11,5 cm“ Beide Fundstücke befinden sich im Stadt- und Kreismuseum Landshut, Nr. A 7808 und A 7809.2

Auch im Erlbachtal bei Vorrathing wurde 1940 ein jungsteinzeitliches Steinbeil (5000 bis 1800 vor Christus) gefunden. „Das Steinbeil besteht aus einem lichten, hellsandfarbenen, festen Gestein, ist 11 Zentimeter lang, am Schaftloch gemessen 4,5 Zentimeter breit und drei Zentimeter stark.“ Auch der Fund des „Kultsteins von Pallerstall“ im Frühjahr 1968, der auch auf die vorchristliche Zeit hinweist, ist von besonderer Bedeutung.3

Auch diese Funde deuten auf eine frühe Besiedelung unserer Gegend hin.

Aus den eingesehenen Unterlagen konnten keine Ergebnisse aus archäologischen Grabungen im Gemeindegebiet des Türkenbachtales bzw. dem Gemeindebereich erlesen werden. Somit kann nicht zweifelsfrei festgestellt werden, wann die ersten Menschen durch unser Gebiet zogen oder es besiedelten. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit dürften jedoch die vorgeschichtlichen Wallgrabenanlagen im Bereich von Mannersdorf, unmittelbar an der Landkreisgrenze zu Altötting, auf die Zeit 1000 n. Chr. einzustufen sein. Wörtlich wird übernommen4Es liegt auf einem hohen, steil nach Norden zum Türkenbachtal hin abfallenden Bergsporn. An der Westseite des aufragenden Bergkegels entspricht eine kurze Ausgrabung dem einstigen Zufahrtsweg. Am Übergang zum Plateau findet sich westlich und östlich ein teilweise erhaltener, flacher Wall. Die nahezu viereckige Nutzfläche in den geringen Ausmaßen von etwa 16 auf 18 m ist sehr uneben und weist drei größere, grubenförmige Vertiefungen auf. Ein unvollständig erhaltener, abgeflachter Graben umgibt die Fläche. Das nach Süden anliegende Gelände reicht flach heran; hier erkennt man einige Bodenunregelmäßigkeiten. Der Bereich um diese Anlage und weiter südlich trägt den Flurnamen Schlossberg. Dieser dürfte sich aber auf einen ebenerdigen Ansitz, der ca. 300 m weiter südlich am steilen Ostabhang liegt, beziehen; er befindet sich bereits auf oberbayerischem Gebiet. Bemerkenswert ist aber auch hier das nahe Zusammenliegen einer wohl älteren mit einer späteren Anlage, eine Situation, die man öfters beobachten kann.“

Der weitere „ebenerdige Ansitz“ befindet sich bei Kollmünz, Gemeinde Marktl und ist in der Jahresfolge 1974 in „Heimat an Rott und Inn“ beschrieben5.

Auf diesem Kartenausschnitt ist die Bezirksgrenze zwischen Ober- und Niederbayern, identisch mit der Landkreisgrenze zwischen Rottal-Inn und Altötting, gestrichelt kenntlich gemacht. Auch der kurze Verlauf des Türkenbachs ist erkennbar. Die zwei Standorte der oben beschriebenen Wallgräben befinden sich in der Flur „Grimmer Holz“ mit der Flur-Nummer  1296 und 1299. An diesen Stellen sind die Wallgräben in der Natur noch verhältnismäßig gut erkennbar.

Möglicherweise auch keltischen Ursprungs ist der Weilername Kollmünz6. Nach Prof. Dr. Albrecht Greule, Regensburg, enthält der Ortsname „das keltische Reliktwort kalma oder kalmis = ödes Land, unbebautes Berggelände und ein keltisches Wort muntia = Berg und benannte ursprünglich eine Bergbefestigung, auf die man sich in Zeiten der Bedrohung zurückziehen konnte“. Kollmünz (Gemeinde Marktl, Landkreis Altötting) könnte somit eine keltische Fluchtburg gewesen sein.

Nachgewiesen ist, dass im 5. Jahrhundert vor Christus die Kelten, von Westen kommend, in den süddeutschen Raum kamen und die nördlich der Alpen ansässigen Stämme verdrängten. Die Kelten werden als intelligentes Volk beschrieben und trieben bereits lebhaften Handel mit den Ländern südlich der Alpen. Sie nutzten auch die Flüsse als Wasserstraßen und Handelswege, so auch den Inn. Ihre Herrschaft baute dieses mächtige Volk weit über das heutige Bayern hinaus aus. Namhafte Heimatforscher wie Karl Schaefler und Dr. Kriechbaum vermuteten auf dem Schlossberg in Julbach und einigen anderen Anhöhen entlang des Inns Kultstätten aus der keltischen Zeit. Nachdem die Besiedlung meistens an den Fluss- und Bachläufen aufwärts erfolgte, ist deshalb nicht auszuschließen, dass unsere Gegend von Kelten besiedelt wurde. Die Vermutung, dass in Gehersdorf7 einmal ein Götzentempel stand, kann somit nicht ausgeschlossen werden. Die Kelten waren handwerklich sehr aktiv. Wenn auch dieser Volksstamm überwiegend aus Bauern und Jägern bestand, so kannten sie den Gerber und Sattler wie auch den Schmied.

Nachgewiesen ist dagegen die Tatsache, dass in Leonberg (Gemeinde Marktl, Oberbayern) eine Keltensiedlung8 war, die über einen begrenzten Zeitraum, ca. 100 vor Christi Geburt, dort angesiedelt war. Auf dem vorderen Bergsporn, auf dem in etwa die spätere Leonberger Burg stand, wurden nach 1999 eine ganze Anzahl keltischer Funde nachgewiesen. Die gefundenen Gegenstände, ob Schmuck, Münzen oder Geräte, wurden vom Landesamt für Denkmalpflege katalogisiert.

Ein weiter bedeutender Fund keltischer Kunst in unserer Heimat erbrachte die Öffnung einiger Hügelgräber im Bereich von Uttendorf bei Braunau. Dort fand man eine Halskrause aus keltischem Gold und weitere wertvolle Stücke. Es wird deshalb vermutet, dass es am Inn größere Siedlungen und vielleicht sogar Edelsitze gab. Alto Hien, Perach – Neumühle, fand 1995 vermutlich Teile eines späturnenfelderzeitlichen Reiter- oder Wagengrabes in Westerndorf bei Perach. U. a. fand er darin „zwei bronzene Dolchgriffe mit Ansatz der Eisenklinge und vielleicht dazu gehörig ein Bronzeaufsatz“. In diesem Grab wurden viele Teile aus Bronze gefunden, die alle vom Bayer. Landesamt für Denkmalpflege begutachtet und teilweise auch veröffentlicht wurden9.

In der Zeit um Christi Geburt war unser Bereich von den keltischen Stämmen wie den Vindelikern und Norikern besiedelt. Sie entwickelten den Ackerbau. Dieser soll auf sogenannten Hochäckern betrieben worden sein. Die Menschen wohnten in strohbedeckten Blockhütten.

Als dann 15 v. Chr. die vorgenannten Keltenstämme von den Römern erobert wurden und das Land besetzten, leisteten die Kelten teils erbitterten Widerstand. Andere Stämme jedoch unterwarfen sich freiwillig und schlossen mit den Eroberern Verträge. Nachdem die Amtssprache römisch war, wurden die sesshaften Kelten immer mehr romanisiert. Die Römer bauten gradlinige Straßen südlich der Donau. Vermutlich gab es direkte Straßenverbindungen zwischen Salzburg – Regensburg und Salzburg – Passau. Wie der genaue Straßenverlauf zwischen Salzburg und Regensburg war, ist nicht genau bekannt, weil bis auf den römischen Meilenstein von Surheim bei Freilassing keine Nachweise vorhanden sind. Als Querverbindung wird eine Straße von Wels (Österreich) über Braunau – Stammham – Perach – Winhöring – Mühldorf vermutet.

In der „Passauer Neuen Presse“, Ausgabe ANA vom Mai 2010, wird von einem sensationellen Fund auf einem Tüßlinger Acker berichtet. Dort wurde eine römische Münze aus dem 4. Jahrhundert gefunden. Die Vorderseite der Münze zeigt das Konterfei von Kaiser Valentinian I. und auf der Rückseite ist das „PX“ des Christuszeichens zu sehen. Diesem Bericht nach sind im Bereich von Tüßling schon früher römische Münzen gefunden worden. Diese Funde könnten die Querverbindung der oben genannten Straße bestätigen.

Im südöstlichen Bereich von Neuötting (Gewandfibel aus Bronze) sowie im Bereich Perach wurden verschiedene Gegenstände aus der Römerzeit gefunden. So z. B. in Perach/Neumühle ein „römischer Zügelführungsring aus Bronze und eine Gewandfibel“, jeweils aus dem 3. Jahrhundert n. Chr.

Einen außerordentlichen Fund machte Alto Hien, Perach/Neumühle, in Neuötting mit den vier Münzen aus der Römerzeit:

Die Funde aus diesem Bereich (Tüßling, Neuötting, Perach) deuten mit ziemlicher Sicherheit zumindest auf eine Römerstraße hin, die am Inn entlang führte.

Unser Gebiet wurde nach und nach weiter besiedelt. Die ältesten aller bajuwarischen Ansiedlungen dürften die sogenannten „ing-Orte“ sein. Die meisten dieser „ing-Orte“ findet man an Flüssen und fruchtbaren Bachtälern der Regionen Vilshofen, Dingolfing, Griesbach und Pfarrkirchen. Sehr gerne siedelten sie sich auf Einöden an. Die Bajuwaren waren durchwegs Ackerbauern, nur selten Handwerker.10

Zu dieser Zeit übertrafen die Laubbäume bei weitem die Nadelbäume. Außer vielen noch heute vorkommenden Waldtieren waren auch der Elch, der Wisent und der Wolf, seltener dagegen der Bär, in den niederbayerischen Wäldern anzutreffen.

Zu dieser Zeit waren alle Häuser aus Holz. Jedes Gehöft war ein viereckiger, blockhausartiger Bau aus Baumstämmen, dessen Dach von der Firstsäule und vier Säulen getragen wurde. Ein Obergeschoß war noch nicht vorhanden. Das Innere war in den Raum zum Wohnen, die sogenannte Halle mit dem Herd in der Mitte und dem Hochsitz des Hausvaters und in die nötigen Schlafräume abgeteilt. Fenster hatte das Haus nicht, nur eine Tür mit Oberlichte, durch die im Winter und bei geschlossener Türe das Licht in die Halle fiel. Außerdem war noch an den anderen Seiten ein Ausguck angebracht, der mit Holzladen geschlossen werden konnte. Die Baum- und Obstgärten wurden wesentlich später erst angelegt. Die Gebäude, Wohnhaus, Stall und Scheune waren mit einem Holzzaun umgeben. Neben dem darin befindlichen Hofhund galt dieser Zaun als Schutzwall gegenüber dem Wild und Eindringlingen. Erst durch die Ungarneinfälle wurden Wehrbauten zum Schutz von Mensch und Vieh erforderlich.

Diese Zeichnung zeigt die Rekonstruktion eines Gehöfts der bayerischen Frühzeit, wie wir es uns nach Aussagen der „Lex Baiuvariorum“ und den Befunden von Ausgrabungen vorzustellen haben. <sup>11</sup>

Der Ackerbau wurde zur Bewirtschaftung bevorzugt und auch wegen des Getreides benötigt. An Tieren wurden gehalten: Schweine, Pferde, Hühner und Gänse, Rinder und Schafe. Von den Römern wurde der Weinbau übernommen. An vielen sonnigen Hängen unserer Täler wurde der Weinbau gepflegt. Davon zeugen noch heute die Flurnamen wie Weinberg (-Siedlung) in Gumpersdorf.

Aus der böhmischen Heimat brachten die Bajuwaren auch die Bienenzucht mit, die wegen der Gewinnung von Honig, Wachs und Met wichtig war und im Gesetzbuch besonders geschätzt wird.12 Daraus kann abgeleitet werden, dass der Ort Zeilarn von Bienenzüchtern gegründet wurde, die aus Böhmen zuwanderten. „Cidel“ bezeichnet im Keltischen eine Biene und Lare heißt ein Wärter.13 Daraus kann abgeleitet werden, dass dieser Ort schon zur Keltenzeit 7./6. Jahrhundert v. Chr. mit Bienenzüchtern besiedelt war.

Die Frauen sorgten sich um die Herstellung von Wolle und Leinen, Weben und Spinnen. Die Männer fertigten alle für den Ackerbau notwendigen Geräte selbst an und betrieben auch die Töpferei. Für die Herstellung von Waffen und eisernen Gegenständen erhielt der Schmied die Aufträge.

Es kann davon ausgegangen werden, dass das Türkenbachtal mit seinen Orten Zeilarn, Obertürken, Gehersdorf, Schildthurn, Babing und Gumpersdorf schon sehr früh besiedelt war.

Die Besiedelung unseres Gebietes war wohl im 13. Jahrhundert abgeschlossen. Für diese Aussage spricht die Tatsache, dass viele Einzelhöfe im 13. und 14. Jahrhundert erstmalig urkundlich erwähnt sind. Dies gilt für das gesamte Türkenbachtal wie auch für den Bereich der Nachbarsgemeinde Erlbach.

Um 1139 wird „Chovlendorf“ = Kellndorf (frühere Gemeinde Schildthurn) als örtlicher Bestandteil der Pfarrei Zeilarn angegeben.

Die erstmalige urkundliche Nennung eines Hofes in der früheren Gemeinde Obertürken ist  Köpfing. In einer Urkunde wurde ein Gut namens „Chepffing“ um 1142 – 1147 dem Kloster Baumburg übereignet.

Um 1190 ist im Traditionskodex von Ranshofen ein „Ortulfus de Chunboldstorf“ = Gumpersdorf, genannt.

Weitere Beispiele einer frühen Besiedlung unseres Gebietes sind auch die Nennungen der Höfe14 Weißgraben 1123, Vorrathing 115115, Wolfsberg 1185 und Zell 1151, jeweils in der Nachbargemeinde Erlbach liegend.

Zeilarn und Obertürken

Diese Orte gehören zu den ältesten nachgewiesenen Siedlungen in unserer Gegend. Die Orts- und IN PAGO – Nennungen im bayerischen Stammesherzogtum zur Zeit der Agilolfinger (das älteste bayer. Herzogsgeschlecht, 788 entmachtet, 794 mit dem Tod Tassilos III. erloschen16) beinhalten auf den Seiten 435 bzw. 423 die Orte Zeilarn und Obertürken vor dem Jahr 788. Für Zeilarn ist die Nennung demnach klar festgestellt. Als Nachweis hierfür wird das Güterverzeichnis von Bischof Arn, Salzburg, angegeben.

Auf Seite 141 in „Notitia Arnonis und Breves Notitiae“17 ist zu lesen: (23,3) „Ein Tausch wurde gemacht mit Graf Adilbertus, und es schenkte derselbe+ Graf Bischof Arno zu Zeilarn, was er bei dem edlen Mann Heribertus erworben hatte, und er erhielt von ihm zu (Raiten-) Haslach eine Kirche und eine Hufe mit anderen Besitz. (23.4) Einen Tausch machte der Priester Theodan mit dem edlen Mann Uto, und er gab demselben Uto zu Zeilarn, was wenig brauchbar war, für ebendiese Kirche dort aber geeigneter.“

Ebenfalls in diesem Verzeichnis steht auf Seite 91:

„Ebenso im Isengau: Ad Zidlar ecclesia cum manso I. Ad Turin ecclesia similiter. “ Das heißt: Zu Zeilarn die Kirche mit einer Hufe18. Zu Türken die Kirche ebenso.

Auch in der „Geschichte der Pfarre Zeillern“19, unserer Patengemeinde in Niederösterreich, wird festgehalten, dass im „Salzburger Urkundenbuch I/12“ die Säkularpfarrei Zeilarn schon ca. 788 bis 790 „nebst einer Manse dem Erzbischof von Salzburg.“ Eine Kirche mit einer „Manse“, einem Bauerngut, ausgewiesen ist.

Bischof Arn von Salzburg20 (* nach 740 im Isengau, + 24. Januar 821 in Salzburg) wurde 777 zum Priester geweiht. Er wurde Benediktinermönch des Klosters Elnon (Saint-Amand) in Flandern und war dort ab 782 Abt. Tassilo III. ernannte ihn 785 als Nachfolger von Virgil zum Bischof von Salzburg. Er erhielt am 11. Juni 785 die Bischofsweihe. Er ließ 788 das Verzeichnis der Besitztümer Salzburg anfertigen, dass 790 von Karl dem Großen bestätigt wurde.

Im genannten Verzeichnis wird der Ort „Zidlar“ genannt. Nach 113921 als Cidelarn, 1180 als Cidelaren, 1270 als Zidlarn, 1300 als Zeilorn, 1534 als Czydlaren, 1560 als Zeylern, 1568 als Zeilern und 1832 als Zeilarn, Zeillern oder auch Zeilorn. Es liegt mittelhochdeutsch zidelaere, zidler, Zeidler, Bienenzüchter, zur Bienenzucht im Wald Berechtigter zugrunde. Im Bayerischen Wörterbuch22 wird „zeideln“ bezeichnet als „den Bienen den Honig nehmen“. Im Jahr 1050 hat noch ein ganzer Gau, der „Cidalare-Gau“, von ihnen seinen Namen. So hießen wahrscheinlich auch die Ortschaften Zeidlarn, Zeidlern, Zeidlorn, in der jetzigen gemeinen Aussprache „Zeiling“. Der Cidelaren-Gau war ein Untergau vom Isengau. Dieser Gau wurde deshalb so benannt, weil hier die Bienen eine besonders große Bedeutung hatten. „Zeidler“ heißt auch Bienenmann oder Imker23. Die ersten Urkunden über die Bienenzucht wurden im

Kloster Mondsee im Salzkammergut aus den Jahren 748 und 768 entdeckt. Es kann davon ausgegangen werden, dass in unserer Gegend seit der Zeit des Bajuwarenherzogs Odilo (736 n. Chr.) Bienenzucht betrieben wurde. Die Zeidler jener Zeit waren schon Hausbienenzüchter. Links der Donau dagegen wurde die Waldbienenzucht betrieben.

Im Mittelalter war es untersagt, einen Bienenbaum zu fällen oder auch in der Nähe eines solchen zu arbeiten. Aus einem „Rechtsbuch des RUPRECHT von Freising“ des Jahres 1325

Links: Der Schutzheilige Ambrosius
Rechts: Ein typisches Bienenhaus aus dem frühen 20. Jahrhundert

heißt es24

Im § 121 wird der regelrechte Bienendieb, und habe er auch nur einen Binkar (Korb) gestohlen, gehenkt.“ Die Bienenorte waren in der Regel reiche Orte. Wurde doch der Honig als Mittel zum Versüßen von Speisen verwendet und war deshalb sehr geschätzt, nicht nur beim Adel. Auch als Ersatz für die Spanlichter und Öllampe zur Beleuchtung wurde die Kerze aus Bienenwachs sehr geachtet, ebenso der Met als besonderes Getränk. Die Bienenzucht war für den täglichen Lebensbedarf von besonderer Wichtigkeit und schon im ältesten bayerischen Gesetzbuch waren Schutzbestimmungen dafür geschaffen.

Dieser Karte nach ist „Cidelar“ an der Stelle vermerkt, an welcher der „Erlbach“ in den Türkenbach mündet. Dies bedeutet auch, dass im 8. bzw. 9. Jahrhundert eine Kirche in Zeilarn bestand. In „Turtin“, bachaufwärts des Türkenbaches, ist ebenfalls eine Kirche vermerkt. Nachdem in Obertürken noch nie eine Kirche stand, ist wohl die Kirche in Gehersdorf gemeint. Der Überlieferung nach soll bereits zurzeit der Kelten in Gehersdorf ein Götzentempel gestanden haben.25 Die Kirche in Gumpersdorf kann hier nicht gemeint sein, da dieser Ortsname nachweislich vom Edelgeschlecht der „Chunbolstorfer“ stammt. Dieses Geschlecht lebte im 12. und 13. Jahrhundert (siehe Anmerkung Nr. 46).

Wenn um 790 in Zeilarn bereits eine Kirche und ein Hof bestanden, so ist unsere Gegend schon wesentlich früher besiedelt worden. Die Besiedelung erfolgte immer von Flüssen und Bächen talaufwärts. Frühere Nennungen der Orte unseres Tales sind bisher nicht bekannt. Doch wo eine Kirche war, gab es auch verhältnismäßig viele Menschen. Zu dieser Zeit war die Christianisierung in unserem Gebiet abgeschlossen.

Den oben genannten Aufzeichnungen nach ist Obertürken das frühere „Turtin“. Dr. Wulzinger schreibt im seinem Buch, dass sich das Edelgeschlecht „de Tartin“ nannte, welches aber schon im 12. Jahrhundert erloschen zu sein scheint. Vor 790 war diesen genannten Angaben nach auch schon eine Hofstelle in Obertürken.

Nachgewiesen ist „Magenso de Turten“ in der Urkunde vom 1. Januar 1165:26Graf Gebhard von Burghausen schenkt dem Kloster Raitenhaslach eine Schwaige zu Ried (GB Kitzbühel) mit dazugehörigen jährlichen Anteil an einer Salzpfanne zu Reichenhall (LK Berchtesgaden) sowie zwei Hörige.“

Magenso de Turten ist mehrmals als Siegelzeuge (auch Siegelbittzeuge) in den Urkunden des Klosters Raitenhaslach aufgeführt.

Der Name „Türkenbach“ und die Ortsnamen Ober- und Untertürken

„Ad Turtin ecclesia similiter“ lautet die erste bekannte Eintragung im Güterverzeichnis des Bischof Arn von Salzburg, das von 788 bis 790 erstellt wurde. Der Verfasser dieser Aufzeichnungen  hatte sich erstmals 1974 an den Heimatforscher des Landkreises Altötting, Herrn Alois Stockner, gewandt, um die Ortsnamen Zeilarn und Obertürken deuten zu lassen. Die daraus resultierende Antwort deckt sich im Wesentlichen mit den wissenschaftlichen Aussagen der Universität Regensburg. Ein fach- und sachkundiger Heimatforscher aus unserem Landkreis ist zwar überzeugt davon, dass bei diesem Wort „Turtin“ eine Pflanze (Blume oder Unkraut) Pate stand. Doch entsprechende Recherchen bestätigten diese Meinung nicht. Andere Personen meinten, dass durch die Türkenkriege dieser Name als Talname zurück blieb.

Die Universität Regensburg, Institut für Germanistik, hat sich auf Anfrage mit diesem Problem befasst und eine „Sprachwissenschaftliche Expertise zum Ortsnamen Türken“ am 14. Mai 2009 erstellt. Oberstudiendirektor a. D. Josef Egginger, Burg bei Winhöring, stellte in seiner Deutung des Namens (Egginger wirkte bei der Fertigstellung der Expertise maßgeblich mit) fest (ein Auszug hieraus): „Es gibt die begründete Annahme, wonach bei der Besiedlung unseres Landes durch einsickernde Germanen zuerst die Fluss- und Bachtäler besiedelt wurden. Und die Menschen, die diese Bachtäler in Besitz nahmen, sollen den Bach oft nach dem Namen ihres Anführers, in unserem Falle „Turto“ benannt haben. Aber auch die Ansiedlungen an so einem Bach sollen nur den Namen des Baches erhalten haben, wie es auch in unserer Notiz von 1170 „in Turtenaha“ der Fall war. Erst viel später, als die Siedlungen zahlreicher wurden, benannte man diese mit Namen, die nichts mehr mit dem Bach zu tun hatten. Von der ursprünglichen Besiedlung aber sind bis heute oft noch jene Ortsnamen geblieben, die später mit den Zusätzen Ober-, Mitter-, Unter- oder Groß- und Klein- unterschieden wurden.“

Die erstmalige Nennung von „Türken bei Zeilarn“ dürfte wohl in den „Traditionen des Domkapitels (1151 – 1167)“27 enthalten sein. Unter Nr. 130 ist zu lesen: „Wilhalm übergibt sein Gut in Türken (bei Zeilarn) für den Fall seines erbenlosen Todes.“ Diese Aussage bedeutet, dass Wilhalm sein Gut von Obertürken dem Salzburger Domkapitel schenkt, sollte er ohne Erben sterben.

Der Ortsname Obertürken wurde im letzten Jahrtausend sehr unterschiedlich geschrieben. Hier einige Beispiele: „1482 in der obern Türgkh, 1589 Ober Turckn, 1597 Oberntürten, 1602 auf der Oberntürten, 1654 Türckhn, 1689 auf der Oberntirckh, 1717 In der Oberndürckh, 1760 in der Türkhen, 1809 Obertürken.28

Untertürken wurde früher auch so bezeichnet: „1413 nider Turten, 1554 In der undern Türten, 1578 Vnnderntürn, 1589 Unter Turkn, 1641 Vnndern Türtten, 1752 an dem Türkhenbach, 1809 in der Untertürken“.

Im „Reise Atlas von Bajern“ von 1796 wird in der Streckenführung von Eggenfelden über Marktl nach Burghausen „Gumpersdorf oder Mittertürken“29 angegeben. Hieraus lässt sich auch deuten, dass die Ortsnamensbestimmung für das ganze Tal „Turtin“ oder „Türken“ war. Erst später wurden, zur Unterscheidung der einzelnen Orte, die Zusätze von Ober- oder Unter- zu Türken hinzugefügt. Daraus kann auch abgeleitet werden, dass Zeilarn zu dieser Zeit bereits seinen eigenen Dorf- oder Siedlungsnamen hatte.

Interessant sind die unterschiedlichen Aussagen um die Deutung von „Turtin“ von Prof. P. Wiesinger, Wien und Prof. A. Greule, Regensburg.

Prof. Wiesinger deutet die Aussage (Auszug): „Ad Turtin“ ist ein Name eines antiken Landgutes und nicht ein Gewässername.“

Prof. Greule vertritt die Meinung (Auszug), „dass primär ein alter Gewässername vorbairischer Herkunft vorlag, der auf mindestens zwei Ansiedlungen an diesem Gewässer übertragen wurde.“

Wie wird wohl diese unterschiedliche Auslegung von „Turtin“ ausgehen?

Verfasst von Hermann J. Lindner

 

 

Fußnoten:

  1. Aus „Der Brockhaus“ Ausgabe 2005, Band 2, S. 297
  2. Spitzlsberger Georg, „Jungsteinzeitliche Funde aus dem Rottal in Heimat an Rott und Inn“, Jahresfolge 1974, S. 14 u. Tafel 3, 17, Tafel 4, 18
  3. Stockner Alois und Utschick Hans, „Erlbach“ 1986, S. 18 u. 36
  4. Haushofer Josef, Dr. „Die obertägigen vor- und frühgeschichtlichen Bodendenkmäler im Landkreis Rottal-Inn“, Eggenfelden ,Teil I, S. 4
  5. Keller Erwin, „Ein ebenerdiger Ansitz des hohen Mittelalters bei Kollmünz“, Gemeinde Marktl, S. 17
  6. Egginger Josef, Vortrag: Die Ortsnamen abgeleitet aus der Besiedelung des Landkreises Altötting, am 24.2.2010 in Altötting
  7. Spirkner B., Niedernkirchen, „Besiedelung des Amtsgerichtsbezirkes Eggenfelden“, Eggenfelden 1907, S. 29
  8. Keltensiedlung von Leonberg gibt Rätsel auf, PNP Ausgabe ANA, Nummer 219  vom 21.9.2001, S. 29.
  9. Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der  bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bayerische Vorgeschichtsblätter, 2004, Beiheft 16.
  10. Jännichen, Kirchberg: Vortrag am 1. Juli 1925, veröffentlicht im August 1925 im Rottaler Anzeiger
  11. Bleibrunner Hans, „NIEDERBAYERN“, Band 1, Landshut 1993, S. 71
  12. Weber F. Dr.“ Niederbayern in der Zeit nach Einwanderung der Bajuwaren“, München, Mai 1931
  13. Wulzinger K. Dr. k. „Beschreibung des Bezirksamts Eggenfelden und der umliegenden Gegend“, Eggenfelden 1878, S. 24
  14. Stockner Alois und Utschick Hans, „Heimatbuch Erlbach“, 1986, S. 533, S. 536, S. 540, S. 477
  15. Hauthaler Willibald P., O.S.B. „Salzburger Urkundenbuch“, Salzburg, 1898, S. 659
  16. Der Brockhaus, Ausgabe 2005, S. 45
  17. Lošek Fritz: Sonderdruck, „Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde“ Band 130/1990, Das Salzburger Güterverzeichnis aus der Zeit um 800: Sprachlich historische Einleitung, Text und Übersetzung
  18. Meyers Lexikon: Sammelbegriff für zum Lebensunterhalt notwendige Hofstätte der bäuerlichen Familie mit Ackerland und Nutzungsrecht an der Allmende
  19. Steinkellner Franz, Professor, Ludwigsdorf-Zeillern, „Geschichte der Pfarre Zeillern“, 1977
  20. http://wikipedia.org/wiki/Notitia_Arnonis, eingesehen 1/2011
  21. Reitzenstein Wolf-Armin, Frhr. v.,“ Lexikon Bayerischer Ortsnamen“, München 2006, S. 312 u. 313
  22. Schmeller Johann Andreas, Sonderausgabe 2/2, München 1985, S. 1085
  23. Armbruster Ludwig Dr., Archiv der Bienenkunde“, Berlin, 1938, S. 294
  24. Armbruster Ludwig Dr., w. oben. S. 285
  25. Wulzinger Dr., „Beschreibung des Bezirksamts Eggenfelden und der umliegenden Gegend“, Eggenfelden 1878, S. 111
  26. Krausen Edgar, „Die Urkunden des Klosters Raitenhaslach 1034 – 1350“, München, 1960, Nr. 18, S. 21
  27. Hauthaler Willibald, P. O. S. B., „Salzburger Urkundenbuch“ I. Band, Salzburg 1898, S. 648.
  28. Egginger Josef,  Burg bei Winhöring. Auszug aus den Aufzeichnungen von 2010
  29. Riedl Adrian von, „Geographische – geometrische Darstellung aller bayerischen Haupt- und Landstraßen mit den daran liegenden Ortschaften und Gegenden“, München 1796, Nachdruck