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Der Ortsteil Gehersdorf mit der Nebenkirche der Pfarrei Zeilarn

St. Johannis der Täufer, Gehersdorf. (Aufnahme um 1950)

Das im Güterverzeichnis des Bischofs Arno von Salzburg, angelegt um Jahr 788/ 790, erwähnte Gotteshaus „zu gerhartesdorf“, Gehersdorf, dürfte die zur Urpfarrei Zeilarn gehörige Taufkirche gewesen sein. Einen Hinweis darauf gibt wohl über das Patrozinium Johannes der Täufer hinaus auch der in dieser Kirche noch erhaltene Marmortaufstein mit hohem Fuß und kleiner Schale in vorgotischer Gestaltung, der etwa aus dem 13. Jahrhundert stammt. Er kam vermutlich in die Kirche, als im 13. Jahrhundert die „Tauchtaufen“, die Ganzkörpertaufen abgeschafft wurden. Bemerkenswert ist zudem, dass sich eine der hier selten anzutreffenden „Johannisschüsseln“ von guter Qualität, erhalten hat, welche den Stilformen nach dem späteren 15. Jahrhundert zuzuschreiben ist.

Vermutlich haben die Edelleute vom Geschlecht „de Gerhardestorf“ der Gebrüder „Chuonradus und Hademarus“ um 1179 eine Kirche als Eigenkirche neben ihren untertänigen Höfen Stiglmaier und Obermeier erbaut1. Diese spätromanische kleine Kirche wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts abgebrochen und durch die heutige gotische Kirche ersetzt.

Im Jahr 1158 wird ein „Gerhoch de Gerhartesdorf“ als Siegelzeuge genannt2. In einem Rechtsgeschäft hat Abt Gero, unter Zustimmung von Herzog Heinrich des Löwen, „zwei Hörige“ getauscht. Als Siegelzeugen wirkt u. a. „Chunradus de Gerhardestorf“ mit. Diese Urkunde datiert: „vor 1179, Juni 3.“

Der Taufstein stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert.

Die „Johannisschüssel“ geht wohl auf die Erbauungszeit der Kirche (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) zurück und war ursprünglich an der dem vorgotischen Kirchenschiff zugewandten Kopfseite der Westempore angebracht3.

(Foto: Verfasser)

In der Appianischen und Fink´schen Karte (1140 – 1296) ist „Geratstorf“ verzeichnet4. Die frühe Besiedelung ist mit diesen Hinweisen gegeben, ebenfalls für das Bestehen der Kirche.

Die Johanniskirche von Gehersdorf stammt wohl vom gleichen Baumeister, dem „Taubenbacher Meister“, wie die Kirchen in Gumpersdorf, Reut und Taubenbach. Alle diese Kirchen sind „mit Figuration ausgestattet, für die der Name >Dreiparallelrippenfiguration< vorgeschlagen wurde.“5

Auch die früher am südlichen Seitenaltar gestandene Holzgruppe der Pieta, eine spätgotische Gruppe des frühen 15. Jahrhunderts, wird als sehr kunstvoll angesehen. Als um 1960 der aus dem Jahre 1710 stammende Hochaltar entfernt wurde, kam dafür die Pieta auf den neu aufgestellten Hochaltar. Im Jahr 1990 ist der Seitenalter der Pfarrkirche Zeilarn in dieser Kirche als Hauptaltar aufgestellt worden. Bei der im Jahr 2010/11 durchgeführten Kirchenrenovierung wurde die Pieta gegenüber dem Kircheneingang an der Innenwand befestigt. Der Hauptaltar erhielt dafür eine wertvolle, von einem hiesigen Künstler  geschnitzte Muttergottes.

Diese sehenswerte Schnitzfigur entstand um 1435, am Ende der Periode des Weichen Stils7. Die freigelegte alte Fassung trägt zu ihrer sehr ausdrucksstarken Wirkung bei.“

Weiter heißt es im Kirchenführer aus dem Jahr 2000 auszugsweise: „Die kleine, doch hochragende und malerisch gelegene Kirche erhebt sich über einem Tuffsteinsockel in Sichtmauerwerk. Nur den Chor stützen Strebepfeiler. Ihm liegt nördlich der einfache Sattelturm mit gekuppelten Fenstern an, welche Mittelsäulen aus Tuffstein unterteilen. An der Südseite öffnet sich zum mittleren Langhausjoch das Portal mit Tuffsteinquadern in der Laibung.

Das einschiffig Innere überrascht infolge seiner wohl proportionierten, hochragenden Ausmaße. Das Langhaus zu drei Jochen gliedern Wandvorlagen in spitzer Schildbogenstellung. Über den vorgelagerten Halbrunddiensten entfalten sich auch hier die Rippen in >Dreiparallelen-Figuration<, bereichert an den Kreuzungen mit kleinen Tellersteinen. Vom Langhaus leitet zum nahezu gleichbreiten Chor der wenig einspringende Chorbogen über.  Dessen Kanten sind mit Rundstab und Kehle profiliert. Dazwischen zeigt er eine breite gefasste Vorlage. Im Chor mit Vorjoch und Schluss in fünf Seiten des Achtecks tragen nur Dienste die Rippen, die sich zu Sechsersternen entfalten. Am Gewölbe findet sich züngelndes Rankenwerk, und im Chorscheitel sind zusätzlich kreisrunde, flammende Verzierungen angebracht.“

Gegenüber dem Eingang in die Kirche ist ein “gut gearbeitetes Holzkreuz vom Anfang des 16. Jahrhunderts, das möglicherweise aus dem Umkreis der Leinbergerwerkstatt stammt.“8

Interessant sind die noch aus der Erbauungszeit der Kirche sichtbaren Gerüstlöcher an der Außenmauer, die bei der letzten Renovierung (2008 – 2010) wieder verwendet werden konnten.

Eine der zwei sehr alten Glocken hat den Zweiten Weltkrieg nicht überstanden. Eine der ältesten Glocken des Bezirks Pfarrkirchen hängt heute noch auf dem Kirchturm in Gehersdorf. Die „Mariahilfglocke“ dürfte aus dem 13. Jahrhundert stammen, was durch ihre Form und die frühgotischen Majuskelumschriften als Gußwerke des. 13. Und 14. Jahrhunderts kennzeichnen9. Die zweite aus 1467 stammende Glocke wurde am 23. Januar 1942 abgenommen, eingeschmolzen und vermutlich das Metall für Kriegszwecke verwendet.

Die Sakristeitür der Kirche ist aus einem Stück Eichenholz gehauen: 185 cm hoch, 93 cm breit und 10 cm stark.

Verfasst von Hermann J. Lindner

Fußnoten:

  1. Oswald J. Prof. Dr. „Ostbairische Grenzmarken“, 1959, Passau, S. 153
  2. Eckhardt Anton, „Die Kunstdenkmäler von Niederbayern“, Bez. Amt Pfarrkirchen, S. 83
  3. Eckhardt Anton, w. o. S. 82
  4. Spirkner B. „Besiedelung des Amtsgerichtsbezirkes Eggenfelden“, 1907, S. 58
  5. Dambeck Franz, Dr.,“ Spätgotische Kirchenbauten in Ostbayern“, 1939, S. 104
  6. Postkarte vom Fotohaus M. u. W. Gottwald, Tann/Ndb. aus ca. 1980
  7. Haushofer Josef, Dr., „Kirchen der Pfarrei Zeilarn“, 2000, S. 27
  8. Haushofer Josef, Dr., „Kirchen der Pfarrei Zeilarn“, 2000, S. 27
  9. Eckardt Anton, „Die Kunstdenkmäler von Niederbayern“, Bez. Amt Pfarrkirchen, S. 293