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Gumpersdorf mit seiner Kirche St. Rupert

Zeichnung von Pfarrer Walter Pera im Jahr 1977

Erklärung: Der Ortsname wurde von dem im 12. und 13. Jahrhundert lebenden Edelgeschlecht der „Chunbold“ abgeleitet. Um 1190 ist im Traditionskodex von Ranshofen ein „Orolfus de Chunboldstorf“ genannt. Dieser Edelmann kann der Schlossherr von Gumpersdorf gewesen sein.

Im Buch „Beschreibung des Bezirksamts Eggenfelden und der umliegenden Gegend“ von Dr. Wulzinger, kgl. Bezirksarzt in Eggenfelden von 1878, wird Gumpersdorf wie folgt beschrieben:

„Noch im Jahre 1839 gehörte das Dorf Gumpersdorf zum vormaligen Landgerichte Eggenfelden, wo es dann als Gemeinde bildend hievon abgetrennt und dem jetzigen Bezirksamte Pfarrkirchen und dermaligen Landgerichte Simbach am Inn zugetheilt wurde. Dieses Dorf gehört zur Pfarrei Zeitlarn, zählt 66 Einwohner, 39 Gebäude und 1 Kirche. Es liegt an der Hauptstraße von Eggenfelden nach Braunau zwischen Ober- und Untertürken im Zeitlarn-Thale auf einer Anhöhe wo vormals in der Nähe der heutigen Kirche das Schloß gestanden hat. Dessen Edelgeschlecht blühte schon vor dem 12. Jahrhundert und kam in den Urkunden wenig vor; es lebte im 12. und 13. Jahrhundert.“

Die Kirche St. Rupert in Gumpersdorf gehörte schon immer zur Altpfarrei Zeilarn, die erstmals um 788 urkundlich erwähnt ist.

Im Güterverzeichnis von (Erz-) Bischof Arn von Salzburg um 788 ist die Aussage „ad Turtin ecclesia similiter“ = in der Türken gleichfalls eine Kirche, umstritten. So könnte die Kirche von Gehersdorf gemeint sein, aber auch diese in Gumpersdorf.

Der heilige Rupert ist einer der „Apostel Bayerns“ und Patron des Erzbistums Salzburg, gestorben 716.

Der Salzburger Bischof Virgil war ein großer Verehrer vom hl. Rupert und hat viele Kirchen auf diesen Heiligen eingeweiht. Dieser Bischof Virgil ist bereits im Jahr 784 verstorben und so dürfte ein nachfolgender Bischof die Kirche persönlich eingeweiht haben. Nachgewiesen ist der Edle „Ortolfus de Chunbolstorf“ im Traditionskodex von Ranshofen. Ob er oder sein Geschlecht zum Kirchlein in Beziehung stand, ist jedoch nicht ersichtlich1.

Unterlagen über eine frühere Kirche in Gumpersdorf konnten zwar nicht ersehen werden, mit Ausnahme der Diözesanstatistik. Hier steht wörtlich: „Gotisch mit Netzgewölbe, einschiffig, Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut."2.

Die Kirche ist ein einfacher, außen unverputzter Backsteinbau mit niedrigem, wohl noch romanischem Turm, dessen Satteldach nur wenig über das Kirchendach hinausragt. Das Kircheninnere zeigt, wie die meisten Kirchen unserer Heimat, die Merkmale des gotischen Stiles.

Das jetzige Kirchenschiff stammt aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts und die an der Westseite eingebauten Tuffsteine wurden teilweise vom alten Mauerwerk verwendet. Der Turm könnte von der vorher an gleicher Stelle gestandenen Kirche sein. Die ausdrucksstarke Pieta dürfte ebenso aus dem späten 15. Jahrhundert stammen. Die im Inneren der Kirche befestigte Totentafel enthält alle 105 Namen, die während der Pestzeit von 1634 bis 1649 gestorben und innerhalb der heute noch bestehenden Friedhofsmauer beerdigt wurden. Diese Tafel beginnt mit den Worten: „Im Freythofe des lobwürdigen Gotteshauses St. Rupert zu Gundbertsdorf wurden während des Schwedenkrieges bis zum Jahre 1650 folgende, meistens an der Pest gestorbenen beerdigt.“

Ursprünglich waren im Glockenturm zwei Glocken. Eine Glocke trug die Jahreszahl 1450 und die andere die Jahreszahl 1484. Auch daraus kann der Kirchbau auf die Mitte des 15. Jahrhunderts abgeleitet werden3. Die ältere Glocke musste am 24. Januar 1942 abgenommen und der Kriegsindustrie zum Einschmelzen zur Verfügung gestellt werden.

In der Zeit von 1867 bis 1870, als Pfarrer Stephan Bogner der Pfarrherr der Pfarrei Zeilarn war, hatte dieser dem Kirchenmaler Franz Xaver Zattler, Wurmannsquick, verschiedene Aufträge erteilt, und zwar4: Malen des Hochaltars und zwei Seitenaltäre, ebenso den Kreuzweg,

18715 wurde vom Maler und Vergolder Peter Albanger ein Kreuzweg für den Preis von 168 fl. geschaffen.

Mit Schreiben vom 22. Mai 1894 wandte sich die Kirchenverwaltung Gumpersdorf an das Kgl. Bezirksamt Pfarrkirchen. In diesem Schreiben wird gebeten, dass die von der Kirchenverwaltung Zeilarn geschenkte Zeilarner Kirchenuhr nicht am Kirchenturm eingebaut werden soll, sondern am neu erbauten Schulhaus in Gumpersdorf. Die Einbaukosten übernimmt der Schulsprengel Gumpersdorf und die Uhr bleibt im Eigentum der Kirchenverwaltung Gumpersdorf. Diesem Antrag wurde entsprochen6.

Das Amt für Denkmalpflege hat sich mit Schreiben vom 17. Mai 1924 an das Bezirksamt Pfarrkirchen gewandt7. Dem Amt wurde bekannt, dass die Gemeinde bzw. Kirchenverwaltung Gumpersdorf die Absicht hat, den Kirchturm von Gumpersdorf auszubauen. Hier ein Auszug dieses Schreiben: „Der Turm erhebt sich nördlich am Chor der Kirche und bildet in seiner behäbigen, quadratischen Anlage mit Satteldach einen malerischen Bestandteil des charakteristischen spätgotischen Kirchenbaues in unverputztem Backstein. Der Turm steht reizvoll in der Landschaft. Es wäre bedauerlich, wenn er seine Eigenart verlieren würde, weil die Bevölkerung von dem falschen Ehrgeiz beseelt ist, ihn in Anpassung an die stattlichen Türme der Nachbarkirchen auszubauen.“

Am 4. Juni 1924 antwortet der für die Pfarrei Zeilarn zuständige Pfarrer Josef Altmannshofer dem Bezirksamt Pfarrkirchen auszugsweise wörtlich: „Es wird mitgeteilt, dass weder das unterzeichnete Pfarramt noch der Herr Kooperator, der so viel in Gumpersdorf wirkt und herum kommt, von dieser Absicht je etwas gehört hat, so dass eine derartige Absicht ernstlich sicher nicht besteht.“

Die St. Rupertikirche wurde 1941 grundlegend renoviert

Der Hauptaltar ist um 1670 entstanden und zeigt das erneuerte Altarbild des hl. Rupert.

Die beiden Seitenaltäre dürften Ende des 18. Jahrhunderts entstanden sein. Die wertvolle Pieta ist wohl um 1450, also aus der Frühzeit der Kirchenerbauung<sup>8</sup>.

(Foto: www.kunstverlag-peda.de)

Im Jahr 1990 musste die Rupertikirche wiederum grundlegend, innen und außen, renoviert werden. Auch die Kirchenmauer musste teilweise ganz neu gestaltet werden.

Verfasst von Hermann J. Lindner

Fußnoten:

  1. Hartmann Maximilian, Ostbairische Grenzmarken, Passau, 1959, S. 153
  2. Handbuch des Bistums Passau, 1958, S. 732-737
  3. Gottanka Josef, Lindner Hermann J, Gumpersdorf, 2010, S. 562
  4. Handschriftliche Aufzeichnungen von F. X. Zattler, im Privatbesitz eingesehen
  5. Staatsarchiv Landshut, w. o. Nr. 2897
  6. Staatsarchiv Trausnitz, BezA/LRA Pfarrkirchen, Rep. 164/14, Nr. 3095
  7. Staatsarchiv Trausnitz, w. o. Nr. 3226
  8. Kirchen der Pfarrei Zeilarn, PEDA-Kunstführer Nr. 487/2000