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Die Nebenkirche St. Sebastian in Leonberg

Die Kirche St. Sebastian, gemalt von Pfarrer Nömaier um 1870
(2009 G. Thuringer/Kirchenmuseum Kößlarn)

Diese 4,6 km von Zeilarn entfernte Kirche ist dem hl. Sebastian geweiht. An dieser Stelle wurde dieses schöne Kirchlein im Jahr 1586 mit den Steinen der 1585 abgetragenen alten Schlosskapelle aufgebaut. Die ursprüngliche Schlosskapelle wurde vor 1150 mit der Burg „Leumperge“, die die Edlen von Tann-Schildthurn-Leonberg1 erbauten, am Steilhang oberhalb des Inntales und gegenüber der einmündenden Alz, erstellt. Um das Jahr 1170 gingen u. a. die Herrschaftsgüter von Leonberg und Schildthurn in den Besitz des Herzogs Heinrich des Löwen über2. Im Jahre 1210 wurden vom bayerischen Herzog die Leonberger Lehensgüter den Grafen Berger I. von Altendorf übergeben. Mehrere Grafengeschlechter waren bis zum Jahr 1386 Eigentümer der Grafschaft Leonberg, bis diese 1386 wieder an den bayerischen Herzog überging. Das Geschlecht der Grafen starb aus, die Burg zerfiel und stürzte den Steilhang zum Inn hinab und die Schlosskapelle wurde 1585 abgetragen. Im Jahr darauf dort aufgebaut, wo sie heute steht, in der Nähe der sogenannten „Dachlwand“. Der „Moa von Leonberg“ hatte dieses Grundstück kostenlos zur Verfügung gestellt3. Der Ingolstädter Professor Philipp Apian hat das Kirchlein noch stehen sehen, als er im Jahr 1560 diese Gegend bereiste und die Kirche in seine topographische Karte mit aufnahm. Dazu bemerkte er: „Auf einem sehr hohen Hügel sind alte Spuren von Lenberg, gegenüber dem Zusammenflusse der Flüsse Inn und Alz; auch besteht heute noch ein Gotteshaus an dem Orte, wo man noch die Überbleibsel der alten Burg und des Grafensitzes derer von Lenberg sieht, die in Gangkofen begraben liegen“.4

Neben dem Heiligen Sebastian, dem Schutzpatron der Pestkrankheit, wurde auch über Jahrhunderte hinweg die Heilige Gertrud verehrt. Die „Sebastianibruderschaft“ wurde bereits 1483 errichtet und im Jahre 1653, nach dem „großen Sterben“, erneuert. Im Jahre 1893 wurde die Bruderschaft „renoviert und aggregiert“5 . Aus den Spenden der Wallfahrer konnte im Jahre 1695 durch Anbau von zwei Seitenschiffen die Kirche vergrößert und der Turm erneuert werden. Auch wurden insbesonders im 17. und 18. Jahrhundert viele Verlöbnistafeln gestiftet.

Der Kirchenmaler Franz Xaver Zattler erhielt 1876 den Auftrag, den Hochaltar und zwei Seitenaltäre „samt neuen Bildern“6 zu malen.

Vom 13. bis 15. Juni 1986 wurde die 400-Jahrfeier der Kirche Leonberg feierlich begangen. Auf einer vor dem Kirchenportal überdachten Altarbühne wurde unter großer Teilnahme der Bevölkerung ein feierlicher Gottesdienst gehalten. Viele Vereine beteiligten sich hierbei und der Heimatpfleger Seidl – Ainöder berichtete über die Geschichte des Ortes Leonberg.

Derzeit finden nur mehr wenige Wallfahrer den Weg zur St. Sebastianikirche nach Leonberg. Die Stadt Neuötting wallfahrtet heute noch dorthin und dies bereits seit 300 Jahren.

Wanderer dagegen, die den schönen Aussichtsplatz am Steilufer des Inns suchen, sehen sich das Kleinod auch von Innen an.

Foto links:
Werner Kronfeld

Foto rechts:
Die Kirchen zu Zeilarn gibt vier Pfund Pfennig,
Die Kirchen zu Stamham fünf Pfund Pfennig.

Dass die Grafen von Leonberg verschiedene Kirchen beschützten und dafür auch Geldleistungen erbringen mussten, zeigt die rechte Kopie.

Verfasst von Hermann J. Lindner

Fußnoten:

  1. Hartmann Max, Ostbairische Grenzmarken, Passau, 1959, S. 153 ff.
  2. Seidl-Ainöder Josef, Heimat am Inn, 1983, Band 8, S. 72 ff
  3. Passauer Neue Presse, Zeitungsbericht vom 29.10.1978 Ein historisches Kleinod wurde vor dem Verfall gerettet.
  4. Leeb Franz Xaver, St. Sebastian – Kirchlein auf Leonberg, 1904, S. 3
  5. Handbuch des Bistums Passau, 1981, S.737
  6. Handschriftliche Aufzeichnungen des Kirchenmalers F. X. Zattler im Privatbesitz eingesehen.
  7. BayHStA Abt. I, Staatsverwaltung C96