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Die Altpfarrei Zeilarn

„Ad Zidlar eccl. cum manso I.”
Zu Zeilarn Kirche mit Hofgut.

Diese erstmalige urkundliche Erwähnung unseres Ortes mit der Kirche ist im Güterverzeichnis des Salzburger (Erz-) Bischofs Arno von 788 / 790 zu lesen. Auch im Handbuch des Bistums Passau1 ist der Verweis „Alte Säkularpfarrei [788 urkundlich]“ enthalten.

Unser Gebiet wurde von fränkischen Mönchen von Salzburg aus bekehrt. Der erste Priester oder Mönch hatte wohl in Zell, Gemeinde Erlbach, seine Behausung2.

Hier in Zeilarn, am Bach des „Turtin“, haben die Mönche vermutlich für den Lieblingsheiligen der Franken ein Kirchlein errichtet. Bei dem im Güterverzeichnis angeführten „Kirche mit Hofgut“ ist wohl der jetzige Pfarrhof gemeint3. Später wurden die Kirchen Gumpersdorf, Schildthurn, Gehersdorf, Leonberg wie auch die Kirchen von Erlbach und Birnbach dieser Frühkirche unterstellt. „Um 1139 wird bei der Nennung von Chovlendorf (= Köllndorf bei Schildthurn) dessen Lage >in parrochia Cidelarn< angegeben und damit der Bestand der Pfarrei Zeilarn bestätigt.“

In vielen Urkunden werden Pfarrer von Zeilarn aufgeführt. So wurde 1161 und 1167 der Pfarrer „Ortolfus parrochiamus de Cidelorn4 in Urkunden aufgeführt. Durch diesen Pfarrer ließ „Eberhard von Vorrathing sein Gut dem Armenspital in Salzburg übergeben“. Auch diese Urkunde beweist, dass der Bereich Erlbach im 12. Jahrhundert der Pfarrei Zeilarn unterstellt war.

Im Gegensatz zu anderen Kirchen, wo früher oftmals weltliche Würdenträger die Geistlichen Herren bestimmt haben, wurde die Pfarrstelle in Zeilarn bis 1811 immer vom Bischof von Salzburg und vom Papst besetzt. Die Pfarrer von Zeilarn waren vom Bistum Salzburg aus dem Archidiakonat Gars am Inn unterstellt. Einen festumgrenzten Pfarrsprengel gab es zu dieser Zeit noch nicht, bestenfalls einen Seelsorgemittelpunkt. In diesen kleinen Kirchen gab es an Sonn- und Feiertagen Eucharistiefeiern und an den großen Festtagen wie Pfingsten und Ostern Taufen, überwiegend von Erwachsenen5.

In unserer Region existierten schon sehr früh, vor dem Jahr 1000, solche Seelsorgezentren, nämlich bei uns in Zeilarn und in Pfarrkirchen

Vermutlich so lang Leonberg eine Grafschaft war, wurde die Kirche in Zeilarn von diesen Grafen auch bevogtet6, d. h. beschützt.

Verschiedene Zeilarner Pfarrer waren nicht nur für diese Pfarrei zuständig, sondern hatten auch noch eine andere Pfarrei zu betreuen oder hatten eine Domherrnstelle inne. So war zum Beispiel Georg Löffelholz von Kolberg von 1515 – 1525 Pfarrer der Pfarrei Zeilarn und gleichzeitig Pfarrer von Kirchberg und zugleich Domherr von Passau.

Pfarrer in Zeilarn sind ab dem Jahr 1151 fast lückenlos nachgewiesen. Viele Priester sind auch hier verstorben. An der Innen- wie auch an der Außenmauer der Pfarrkirche sind von einigen in Zeilarn verstorbenen Pfarrherrn Grabsteine des 15. bis 18. Jahrhunderts angebracht.

„Bemerkenswert ist die älteste Platte mit Ritzzeichnung von 1394, die für eine Elisabeth Lenberger gefertigt wurde.“7

Schon sehr früh waren diese Seelsorgezentren mit eigenem Grund und Boden ausgestattet. Die Erträge hieraus dienten überwiegend den geistlichen Herren zum Lebensunterhalt und auch für den kirchlichen Dienst. Die Besitzer der landwirtschaftlichen Anwesen hatten an die Kirche bzw. deren Pfarrer Naturalabgabe zu leisten wie den Groß-, Blut- und Kleinzehent. Im Urbarium (= Verzeichnis der Güter mit den zu zahlenden Leistungen), das der Pfarrer und Dekan Moritz Nagengast im Jahre 1654 verfasste, sind alle 32 „zum Pfarrhof Zeilarn eigentümlich gehörigen Wibmgüter samt deren Gründen und jährlichen Reichnissen“ niedergeschrieben.

So hatte z. B. der Wimmerhof in Bildsberg folgende jährliche Leistungen zu erbringen:9

Neben einer Geldleistung von 4 Schilling Pfenning (= 120 Pfenning) hatte der Besitzer 4 Laib Käse, 4 Hühner, 60 Eier, 12 Pfenning Ehrung (= Geschenk), 8 Pfenning Stift (= Geldleistung, war an Michaeli dem Grundherrn zu zahlen)  zu erbringen. Zudem musste er einen Tag Gras mähen oder Getreide mähen.

Mit diesen Leistungen konnte der Pfarrer sicher gut leben. Er musste hieraus den „Gesellenpriester“ (= Kooperator) und die sonstigen Bediensteten verpflegen und bezahlen.

Aus dem „Urbarium“ von 1654 sind auf Seite 4 und 5 die „gewöhnlichen Kreuzgänge“ aufgeschrieben. An 17 verschiedenen Tagen im Jahr sind die Christen von Zeilarn zu anderen Kirchen der Pfarrei aber auch zu auswärtigen Kirchen Wallfahrten gegangen. Neben der jährlichen Wallfahrt nach Altötting wurde z. B. am „Feste St. Philippi et Jacobi nach Mauerkirchen zu unserer Lieben Frau“ (im Innkreis) gepilgert. Als besondere Opfertage sind angegeben: Weihnachten, Fest der Beschneidung des Herrn, Heilige 3 Könige, Lichtmess, Ostern, Pfingsten, Allerheilgen, Allerseelen und die Sonntage jeden Quatembers.

Dem Pfarrbezirk Zeilarn gehörten 1828 insgesamt 2055 Seelen an, darin enthalten sind 576 Seelen aus der Filialkirche Erlbach.10 Im „Handbuch des Bistums Passau“ von 1981 werden 2133 Katholiken für die Pfarrei Zeilarn ausgewiesen.

Neben der Pfarrkirche in Zeilarn waren folgende Kirchen seelsorgerisch und baulich zu betreuen: St. Ägidius mit St. Leonhard in Schildthurn, St. Rupert in Gumpersdorf, St. Johannes in Gehersdorf, St. Sebastian in Leonberg, St. Nikolaus in Birnbach, St. Peter und Paul in Erlbach, Corona Kapelle in Birnbach (= im Privatbesitz).

Ab 1861 war die jetzige Pfarrei Erlbach eine Expositur und 1895 wurde die Expositur zur selbstständigen Pfarrei erhoben. Damit war auch eine neue Gebietsabgrenzung für die Pfarrei Zeilarn notwendig, die bis heute Bestand hat.

Die Kirche St. Martin

Unterlagen über die ersten Baumaßnahmen liegen ab 1670 auf. Das ursprünglich wesentlich kleinere Kirchenschiff dürfte zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert erbaut worden sein. Vorher gab es eine bedeutende romanische Vorgängerkirche. Bauteile dieses ursprünglichen Gebäudes – Langhausmauern und Turmunterbau – konnten beim Neubau verwendet werden und sind heute noch erkennbar. Während des 30-jährigen Krieges erlitt die Kirche große Schäden, auch Brandschäden im Inneren. Bei der notwendigen Renovierungsarbeiten um 1670 erhielt die Kirche eine barocke Ausstattung. In den Jahren 1886 – 1890 erhielt das Kircheninnere eine Umgestaltung vom barocken Baustiel zur neogotischen Ausgestaltung.11

Das Kircheninnere vor 1961 (links) und im Jahr 2011 (rechts)

Eine Besonderheit ist die auf die Zeit um 1700 zurückgehende „Auffahrt Christi“. Im späten Mittelalter waren solche Darstellungen beim Volk sehr beliebt.

In der Zeit der „Aufklärung“ (um 1800) wurden derartige Darstellungen verboten, doch das galt nicht für die Zeilarner In der Zeit des 21. Jahrhunderts gibt es in Altbayern nicht mehr viele Kirchen mit solchen bildlichen Darstellungen.

Der Kirchenmaler Franz Xaver Zattler, Wurmannsquick, malte im Jahr 1860 diese Bilder vermutlich neu.<sup>12</sup>
Um das Jahr 2007 hat der Kirchenmaler Stöhr aus Marktl die gesamte Anlage repariert und die Farben aufgefrischt.
(Foto: Walter Klimt)

Für die Kirchenverwaltung Zeilarn waren die Jahre von 1880 bis 1914 ein sehr bewegter und von Änderungen und finanziellen Schwierigkeiten geprägter Zeitraum.

Dies ergibt sich auch aus den baulichen Maßnahmen an der Kirche. Aber auch der in der Fastenzeit viel besuchte Ölberg und das hl. Grab, wie auch die Darstellung der „Himmelfahrt“, wurden in diesem Zeitraum reparaturbedürftig.

Die Kirchenverwaltung beschloss im Jahr 1890 die biblische Darstellung des Ölbergs wie auch das hl. Grab, weil eine unabwendbare Notwendigkeit bestand, reparieren zu lassen.13

Bei der Firma Kraft in Freising wurde das hl. Grab bestellt und im Frühjahr 1891 zum Preis von 740 Mark ausgeliefert. Die beabsichtigte Anbringung einer Mechanik, wobei der Leib Christi im Grab nach unten fallen sollte und dafür ein Engel erscheint, wurde vom bischöflichen Ordinariat Passau nicht gestattet. Im April 1891 wurde diese biblische Darstellung des hl. Grabes für gut befunden. Der Kirchenmaler Josef Stöhr, Marktl, hat die Farben im Jahr 2007 aufgefrischt. (Foto: Walter Klimt)

Pfarrer Nömaier malt um 1870 die Kirche in Zeilarn vom Pfarrhof aus.

Foto: G. Thuringer / Kirchenmuseum Kößlarn

Wesentliche Baumaßnahmen und Veränderungen an der Pfarrkirche

Im Begründungsantrag von 1886 an das Kgl. Bezirksamt Pfarrkirchen14 wurde dargelegt, dass eine Verlängerung der Kirche deshalb unerlässlich ist, weil für die Kirchenbesucher nur ein Platz von 300 qm für 1800 Pfarrkinder zur Verfügung steht. Geplant ist die Erweiterung der Grundfläche auf 628 qm. Den Kostenvoranschlägen nach würde dieser Anbau 16.000 Mark kosten. Durch das Kgl. Bezirksamt gab es jedoch nach Abschluss der Baumaßnahme große Probleme, weil die Endabrechnung der Baurechnungen 17.900 Mark auswies.

Durch die Verlängerung des Kirchenschiffes wurde 1888 das Missverhältnis zwischen dem verhältnismäßig hohen Kirchenschiff und dem Turm mit seinem niederen Satteldach gesprochen und beraten. Am 8. April 1890 wurde bei der Kgl. Regierung von Niederbayern der Plan für die Änderung der Turmspitze eingereicht. Diesem Antrag wurde entsprochen und das Kgl. Bezirksamt Pfarrkirchen mit der Überwachung der Baumaßnahme beauftragt.

Bereits am 28. August 1890 teilte die Kirchenverwaltung dem Bezirksamt mit: die „Aufmauerung des Turmes ist vollendet. Heute wurde mit der Aufstellung der Turmpyramide begonnen. Da der Dachstuhl in allen Teilen schon fertig abgebunden worden ist, so kann die Pyramide Ende nächster Woche vollendet dastehen, wenn nicht unvorhergesehene Hindernisse eintreffen. Pfarrer Lang“. Anfang November 1890 konnte Pfarrer Lang an das kgl. Bezirksamt Pfarrkirchen die bauliche Vollendung des Turms mitteilen. Die Gesamtkosten in Höhe von 5.600 Mark wurden durch Spenden, geschenktes Bauholz und Kirchenstuhlgelder beglichen. Der Außenputz wurde 1891 angebracht.

Eine weitere Maßnahme wurde von der Kirchenverwaltung am 8. Februar 1891 beschlossen:15

Der Glockengießer Ludwig Strasser von Burghausen erhielt den Auftrag zum Gießen von vier Glocken mit einem Gesamtgewicht von 60 Zentner, die alten Glocken wurden in Zahlung gegeben. Gesamtkosten 4.650 Mark. Weil nur 1.000 Mark vorhanden waren, leisteten der Bäckermeister Danzer, Zeilarn, der Bauer Mathias Lohr von Großstraß und der Viehhändler Kaspar Mitterhuber von Walln notarielle Bürgschaft. Die Anschaffung wurde von der Regierung genehmigt. Im September 1891 konnten die neuen Glocken ohne Unfall aufgezogen werden. Die noch fehlende Turmuhr wurde 1892 in Auftrag gegeben und im Frühjahr 1893 eingebaut.

 

Im Januar 1942 wurden drei Kirchenglocken vom Nazi-Regime beschlagnahmt, abgenommen und vermutlich eingeschmolzen. Die im Frühjahr 1949 abgehaltene Pfarrversammlung beschloss einstimmig den Ersatz von drei Kirchenglocken die durch Umlagen von den Pfarreiangehörigen finanziert wurden. Gesamtkosten: 9 550 DM. Im April 1950 erklang das neue Geläut zum ersten Mal.

In den Sommermonaten des Jahres 1961 wurde in der Kirche eine gründliche Innenrenovierung vorgenommen. Anstelle des rechten Seitenaltars wurde die Kanzel dort platziert. Der Seitenaltar wurde im Pfarrhof zwischengelagert und steht heute als Hauptaltar in der Kirche Gehersdorf. Der Kirchenmaler Martin Zunhamer von Altötting hat den gotischen Baucharakter wieder zur Geltung gebracht. Die bisher an der Außenmauer angebrachten und bis in das 15. Jahrhundert zurück reichenden Grabplatten wurden im Innenraum der Kirche befestigt.

Anlässlich der 1200-Jahrfeier, im Jahr 1988, hat die Kirchenverwaltung beim Künstler und Bildhauer Toni Preis, der in der Pfarrei Zeilarn geboren ist, einen hl. Martin in Marmor künstlerisch gestalten lassen. Am 10. Mai 1988 wurde diese künstlerisch wertvolle Statue an der Ostseite der Kirche von F. X. Eder, Bischof des Bistums Passau, geweiht.

Verfasst von Hermann J. Lindner

Fußnoten:

  1. Bischöfliches Ordinariat Passau, Stand vom 1. August 1981, S. 733 ff.
  2. Stockner Alois, „Häuserbuch der Gemeinde Erlbach“, 2007, S. 612
  3. Oswald J. Prof. Dr., „Ostbairische Grenzmarken“, 1959, S. 151
  4. Oswald J. Prof. Dr. w. o.
  5. Hochholzer Adolf, „Wurzeln unseres Glaubens“, Passau, 1992, S. 28 ff.
  6. Lubos Rita, „Das Landgericht Eggenfelden“, 1971, S. 41
  7. Haushofer Josef Dr., „Kirchen der Pfarrei Zeilarn“, 2000, S. 9
  8. Oswald J. Prof. Dr., „Ostbairische Grenzmarken, Passau“, 1959,
  9. Nagengast Moritz, „Urbarium“, 1654, S. 41
  10. Tabellarische Beschreibung des Bistums Passau, 1828
  11. Kirchen der Pfarrei Zeilarn, Haushofer Josef, 2000, S. 3
  12. Handschriftliche Aufzeichnungen des F. X. Zattler, im Privatbesitz eingesehen.
  13. Staatsarchiv Landshut, BezA/LRA Pfarrkirchen, Rep. 164/14, Nr. 3038
  14. Staatsarchiv Landshut, w. o. Nr. 2982
  15. Staatsarchiv Landshut, BezA/LRA Pfarrkirchen, Rep. 164/14 Nr. 3052